Rheinzeitung vom 30. September 2012

Sensationeller Erfolg fürs Elisabeth-Musical

Herdorf Toller Start in den „Kulturherbst Herdorf“: Mit dem Musical „Elisabeth – Legende einer Heiligen“ konnten mehr als 100 fast ausschließlich heimische Mitwirkende am Wochenende im Hüttenhaus zeigen, welche Fülle junger Talente die Region zu bieten hat. 

Unter der musikalischen Leitung von Peter Scholl kam die Geschichte der Heiligen Elisabeth von Thüringen als packendes Musiktheater auf die Bühne. Eindrucksvoll wurde das Erfolgsmusical von Dennis Martin und Peter Scholz (Spotlight Musicalproduktion, Fulda) in einem Musikprojekt umgesetzt – unterstützt und gefördert von Stadt Herdorf, Kulturring und dem Kreis der Kulturfreunde, die erstmals eine Eigenproduktion präsentierten. Von mehr als 1000 Besuchern – das Hüttenhaus war bei drei Aufführungen Freitag, Samstag und Sonntag ausverkauft – gab es stehende Ovationen.

Bei dem Projekt wirkten die Jugendchöre Achord Herdorf (Leitung Torsten Stendenbach) und Cantanima Wilnsdorf (Leitung Andrea Stötzel), Tänzer, Solisten und ein 23-köpfiges Projektorchester in Bandbesetzung mit, darunter die Profis Johannes Nies (Klavier) und Marco Lichtenthäler (Oboe). 
Für den 28-jährigen Peter Scholl war es sein größtes Projekt. Der Neunkirchener studiert Orchesterleitung, rief 2005 die Herdorfer Singewochen ins Leben, gründete 2010 den Jungen Kammerchor Siegen und übernahm die Leitung des Sinfonieorchesters Ingelheim. 
Mit seinem jüngsten Projekt, für das er als Regisseurin die finnische Musikdozentin Anni Komppa (Frankfurt) gewann, entführte er die Besucher ins Mittelalter und auf die Wartburg. Die Arrangements schrieb Jonathan Granzow, der auch fürs Frankfurter Opernorchester arrangierte. Die Inszenierung in Herdorf war ein Erlebnis: mitreißende Musik, ausgewogene Chöre, einfühlsame Soli und Duette, eindrucksvolle Tanzszenen – und das vor imposanter Kulisse mit stimmigen Requisiten, selbst gestaltet wie auch viele der tollen Kostüme. Nur die golden „Showgirls“ passten nicht ins Bild. 
In der Geschichte spielte Antonia Reinhardt (10, Biersdorf), die schon beim Kindermusical Wakatanka auf der Bühne stand, Elisabeth als Kind. Conny Sander (Neunkirchen), die eine Musical-Ausbildung in Osnabrück macht, verlieh Elisabeth im ersten Akt Leben und Stimme, zudem war sie für die Choreografie zuständig. Im zweiten Akt füllte Kristin Knautz (Herdorf), die in Siegen Schulmusik fürs Lehramt an Gymnasien mit Hauptfach Gesang studiert, mehrere Chöre leitet und sowohl im klassischen als auch modernen Bereich auf der Bühne steht, die Rolle der Elisabeth mit Herzblut. Den fanatischen Kreuzzugprediger Konrad von Marburg stellte großartig Alexander Kreindl dar – der Student der Schulmusik ist auch musikalischer Leiter der Musicals der Goethe-Universität Frankfurt.
Landgraf Ludwig spielte Erik Aepfelbach (Steinebach), der seit Jahren auch Hauptrollen bei Musical-Kultur Daaden hat. Als Landgräfin Sophie war Nina Ruchartz (Köln) zu erleben, die schon als Sängerin für den Circus Roncalli Bühnenerfahrung sammelte. Zofe Guda spielte Heike Zerfowsky (Siegen), die eine klassische Gesangs- und Klavierausbildung hat und schon zahlreiche Songs und Musicals komponiert hat. Mit Ludwigs intrigantem Bruder Heinrich gab Andrés Garcia-Diaz, der in Siegen in vielen Theaterproduktionen mitwirkte, sein gelungenes Musicaldebüt. Student Tobias Levening (Siegen), vielseitig musikalisch tätig, und Abiturient Manuel Stötzel (Geisweid), aktives Mitglied der Südwestfälischen Freilichtbühne Freudenberg, traten als die Erzähler Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide auf, die mit ihrem Sängerstreit darüber, wie die Geschichte der Elisabeth korrekt zu erzählen ist, dem Stück bei all seiner Dramatik auch amüsante Noten gaben. Eva-Maria Stettner