Siegener Zeitung vom 17. September 2013

Abschluss der Singewoche

Neunkirchen. In der ev. Kirche Neunkirchen fand das Abschlusskonzert der diesjährigen Singewoche unter Leitung von Peter Scholl statt. Begeisternd!

roh - "Musik muss einen Wiedererkennungswert haben", betont der bekannte Chorspezialist Hermannjosef Roosen. Das hat sich Peter Scholl zu Herzen genommen und weiß es auch umzusetzen: Er kann Menschen fürs Singen begeistern und beweist auch ein gutes Händchen bei der Liedauswahl, einem Mix aus geistlicher und weltlicher Literatur. Die Resonanz von mehr als 60 Sängerinnen und Sängern, viele jugendlichen Alters, die an dem Projekt Singewoche der Kirchengemeinde Herdorf-Struthütten teilnahmen, zeigte dies eindrucksvoll.

Auch Musik von Bach war zu hören

Der Chor eröffnete das Abschlusskonzert der Singewoche in der ev. Kirche Neunkirchen mit der Choralkantate "Meinen Jesum lass ich nicht" von Johann Sebastian Bach mit den Solistinnen Kristin Knautz und Sarah Leufke. Der lang anhaltende Ton bei "klettenweis an ihm zu kleben" verdeutlichte, wie Bach dem Menschen im Chaos seiner inneren Zerrissenheit eine Lösung dieser Problematik anbieten möchte.

Monique Braun spielte auf dem Englischhorn ein Stück von Telemann

Von Papst Benedikt XVI. stammt der Satz "Wenn wir Mozart in der Kirche hören (...), spüren wir auf wunderbare Weise, was Gloria Dei, Herrlichkeit Gottes, heißt". Kristin Knautz ließ mit Kraft und Glanz die Absicht Mozarts im "Laudate dominum" erstrahlen. Ein Klangerlebnis ganz anderer Art war der Gospel "My Desire Is To Please You". Durch den eingängigen Rhythmus sprang der Funke schnell auf die Zuhörer über. Aus einem 60-stimmigen Chor wurde von einem Moment auf den anderen ein 250-stimmiger. Die virtuos von Monique Braun dargebrachten "Siciliana & Presto" von Georg Philipp Telemann auf dem Englischhorn wurden ebenso mit starkem Beifall belohnt wie die Improvisationen zu "Am Anfang war das Wort" von Stefan Schlosser am Klavier.

Hommage an Freddie Mercury

Gabriel Faurés "Au bord de l'eau", bei dem zwei Liebende am Ufer eines Flüsschens sitzend beschrieben werden und am Ende sagen: "Die Liebe fühlen, die trotz allem, was vergeht, überhaupt nicht vergeht", trug Altistin Sarah Leufke, begleitet von Peter Scholl am Klavier, mit viel Charme, aber auch Melancholie vor. Die in "Fields Of Gold" formulierte Hoffnung, dass die Liebe den Tod durch die Erinnerung und die gemeinsamen Kinder überwindet, ließ die Zuhörer bei der Darbietung durch den Chor ein wenig erschaudern. Bei "Somebody To Love" trat Conny Sander zusammen mit dem Chor in die Fußstapfen des verstorbenen Queen-Sängers Freddie Mercury. Es folgte mit "Agua de beber" ein Bossa Nova des brasilianischen Komponisten Antônio Carlos Jobim.

Am Schluss hieß es: "Liebe ist alles"

Das abschließende "Liebe ist alles" aus dem Musical "Elisabeth von Thüringen" fasste zusammen, was sich in verschiedensten Worten durch das ganze Konzert zog: "Liebe ist alles, Liebe umhüllt die ganze Welt, Liebe gibt alles. Sie ist die Hoffnung, die uns trägt und die uns hält." Man merkte, dass nicht nur dem gebannt lauschenden und kräftig applaudierenden Publikum der Auftritt großen Spaß gemacht hat, sondern auch den Musikern selbst. So war es nicht verwunderlich, dass die Zuhörer mit zwei munteren Zugaben entlassen wurden.