Wetzlarer Neue Zeitung vom 24. September 2013

Orgelkonzert eröffnet Festtage

Albert Schweitzer - Peter Scholl spielt die Beckerath-Orgel im Dom

Wetzlar (sm). Im Rahmen der Albert-Schweitzer-Festtage hat der Frankfurter Organist Peter Scholl ein Konzert wiederholt, das Albert Schweitzer im April 1938 in der Straßburger St. Pauls-Kirche spielte.

Auf dem Programm standen vorwiegend Werke von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), aber auch von Schweitzers Orgellehrer und Pariser Organisten Charles-Marie Widor (1845 bis 1937) und dessen Kollegen César Franck (1822 bis 1890).

Kirchenmusikdirektor Joachim Eichhorn, Oberbürgermeister Wolfram Dette als Schirmherr und der Vorsitzende des Deutschen Hilfsvereins für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene, Einhard Weber, führten vor etwa 100 Zuhörern in Rahmen und Programm ein.

In Schweitzers Programm zeigte sich sowohl seine Position als (elsässischer) Grenzgänger zwischen Deutschland und Frankreich, seine wissenschaftliche Beschäftigung mit Bach, den er seinen französischen Zeitgenossen in neuem Licht erscheinen ließ, insbesondere in seinen Choralwerken - und seine Vorliebe für den französischen Orgelbau des 19. Jahrhunderts und die dafür geschriebene Literatur.

Peter Scholl vermochte das beeindruckend umzusetzen, was auf der norddeutsch geprägten Beckerath-Orgel für die französischen Werke kein leichtes Unterfangen war.

Bachs Werke ließen sich überzeugend registrieren, die beiden Präludien und Fugen in C- und G-Dur erklangen brillant, ebenso die Choralvorspiele zu "Vater unser im Himmelreich", "Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ" und "Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist". In wesentlich dunkleren Klangfarben, vielleicht als Hommage an die Art, wie Schweitzer sie gespielt hatte, die Choralbearbeitung zu "Jesu, meine Freude" und der "Canzone in d-Moll", sehr verhalten registriert und auch im zweiten Teil bedächtig im Tempo.

Eine Herausforderung hingegen die beiden langsamen Sätze aus Widors 6. Orgelsinfonie mit überraschend "französischen" Farben, was auch für den "Choral Nr. 1 E-Dur" César Francks gilt. Ungewohnte Registriermischungen verliehen den Werken einen satten, noblen Klang, der wieder über die Beckerath-Orgel staunen ließ. Albert Schweitzer, der sie ursprünglich hätte einweihen sollen, hätte seine Freude gehabt.