Siegener Zeitung vom 30. September 2014

Kommt jetzt der Schwan?

Vergnügliches Kinder-Orgelkonzert in der Talkirche Geisweid

lip Geisweid/Daaden. Die Emporen der Geisweider Talkirche waren am Sonntagnachmittag voll besetzt mit Kindern, ihren Eltern und anderen neugierigen Konzertbesuchern, die Camille Saint-Saëns’ berühmten „Karneval der Tiere“ in der Orgelbearbeitung von Hans Peter Kortmann mit dem heimischen Organisten Peter Scholl hören wollten. Zu Beginn des Konzerts, das im Rahmen der Siegener Orgelwochen stattfand, erfuhren die Kinder, die größtenteils zum ersten Mal so nah an einer Orgel saßen, dass eine Orgel aus zahlreichen Pfeifen (diese Orgel hat 1500!) mit vielen verschiedenen Klangfarben (Register) besteht, die sich sogar zum Malen von Tieren eignen. Fünf kurze Klangbeispiele aus dem „Karneval“ wurden von den Kindern erfolgreich den jeweiligen Tieren zugeordnet.

Bestens informiert und motiviert verfolgten Kinder und Erwachsene nun den skurrilen Aufmarsch der Tiere. Andrea Stötzel, Kantorin der Talkirche, trug die höchst vergnüglichen Zwischentexte mit variationsreicher Stimme und treffendem Humor vor: Die 4791 seltsam kostümierten Tiere in der Arena samt der Vögel und Affen in den Bäumen erwarten den Auftritt seiner Majestät, des Löwen, und seines Hofstaats: 64 Uhus setzen ihre Instrumente zur Fanfare an. Peter Scholl ließ dafür das volle Werk erklingen, das Löwengebrüll erklang mächtig im Pedal.

Camille Saint-Saëns (1835–1921) hat die Orchestersuite nur einmal zur Fastnacht 1866 im Konzert aufgeführt, wohl weil er Anfeindungen wegen der karikierenden Zitate aus Werken berühmter Kollegen befürchtete. So erklingt der spritzige Cancan aus Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ im unbeholfen langsamen Ballett der Schildkröten grotesk und lächerlich, ebenso wie der Elfentanz aus Berlioz´ „Fausts Verdammnis“, der die Elefantin zu ihrem in „verhaltener Leidenschaft schwebenden Tanz“ begleitet. Peter Scholl erweckte diese und alle andern Szenen durch Registrierung und Spielweise zum Leben. Rasante Läufe als Galoppieren der Wildpferde, zauberhafte Akkorde in Zungenregisterfarben mit glitzernd hoher Begleitung als Tanz der Schleierschwänze im Aquarium, die Eselsrufe in extremen Sprüngen, die sanften Kuckucksrufe, das Schwirren der 2000 Kolibris – alles wurde plastisch dargestellt, immer durch die ironisch verfremdenden, witzigen Texte angekündigt und kommentiert.

„Kommt jetzt der Schwan?“, fragen dauernd die jungen Katzen. Erst nachdem die Eichhörnchen zwei Wasserschweinen Klavierunterricht gegeben haben (rasante Tonleiteretüden) und die Fossilien ihren klappernden Gesang ertönen ließen, lässt endlich der Schwan seine schmelzend elegische Weise erklingen, deren blühender Cello-Ton des Originals sicher jedem Musikfreund vertraut ist. Der Marabu hebt seinen Taktstock zum rauschenden Finale, in dem noch einmal musikalisch alle Tiere versammelt sind und nach und nach in der Ferne verschwinden. Nach dem verdienten, begeisterten Applaus für Peter Scholl und Andrea Stötzel gab es für die kleinen, aufmerksamen Zuhörer Gummibärchen. Die musikalische Arbeit mit Kindern hat bekanntlich in der Talkirche durch Andrea Stötzel lange Tradition, die in diesem gelungenen Beitrag fortgesetzt wurde: Weiter so!

Wer das Kinderkonzert in Geisweid verpasst hat, dem sei der „Karneval der Tiere“ mit Peter Scholl am Samstag, 4. Oktober, 16 Uhr, in der Barockkirche Daaden empfohlen.