Siegener Zeitung vom 3. März 2015

Schwebende Klänge

Requiem von Maurice Duruflé und Orgelwerke von Bach überzeugten

Zuhörer dankten mit stehenden Ovationen.

gum Herdorf. „Eines kann ich Ihnen sagen: Es wird wunderschön“, so Kirchenmusiker Torsten Stendenbach, der selbst im Jungen Kammerchor Siegen mitsang, bei seiner Begrüßung der rund 200 Zuhörer, die am Sonntagabend den Weg in die kath. St.-Aloisius-Kirche in Herdorf gefunden hatten, um das Requiem des französischen Komponisten Maurice Duruflé zu hören. An der nicht ausreichenden Anzahl der ausgedruckten Programme zeigte sich die gute Resonanz.

Peter Scholl, Organist, Pianist und Dirigent, hatte die musikalische Leitung der Aufführung der wenig bekannten neunsätzigen Komposition aus dem Jahre 1947 inne. Scholl ist Leiter der Kantorei St. Jakob in Frankfurt-Bockenheim, wo er das Requiem am Samstag, nach nur einem Probenwochenende, erstmals aufführte. Über eine Stunde konnte das Publikum die fast meditative Musik genießen. Der Junge Kammerchor Siegen, der krankheitsbedingt auf einige Sänger verzichten musste, war überregional verstärkt mit Mitwirkenden aus Mainz, Frankfurt und Darmstadt. „Von der dezimierten Chorstärke“, erklärte Peter Scholl, „lassen wir uns aber nicht beirren.“ Die Zuhörer gaben ihm Recht, der Chor war fantastisch und leistete Großartiges. Mit geradezu engelsgleicher, glasklarer Stimme begeisterte als Solistin die Mezzosopranistin Joana Skuppin, u. a. Stipendiatin der Pestalozzi-Stiftung in Frankfurt, die Kirchenbesucher.

Der Organist und studierte Kirchenmusiker Jorin Sandau aus Darmstadt zeigte meisterhaft, wie er die Königin der Instrumente beherrscht. Er spielte Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, die perfekt in den Messeablauf des Konzertes integriert waren, so dass sie in keiner Weise die neun Sätze unterbrachen.

Ein Requiem assoziiert der Musikfreund für gewöhnlich mit einer Komposition von Mozart, die meist im November aufgeführt wird. Scholl selbst sieht das Requiem des Komponisten als zeitlos, ebenso in die Passionszeit passend, an. Statt Angst und Schrecken Zuversicht und Trost spendend.

Wie auch Gabriel Fauré in seiner früheren Komposition, verzichtet Duruflé auf „Dies irae“, den Tag des Zorns, der in der Musik dramatisch und furchteinflößend dargestellt wird. Die Musik soll keine Angst machen. Im Gegenteil: Reiche und farbige Harmonien, erstaunlich lichte gregorianische Choräle, in tröstliche Gewänder gekleidet, zeichnen die Musik aus. Drei Fassungen hat der Komponist geschrieben, wovon die dritte Version die anspruchsvollste ist, da die Musik auf nur ein Instrument, die Orgel, zusammengeschrumpft ist. Eine große Herausforderung für Jorin Sandau, die dieser mühelos bewältigte.

Klare Stimmen durchfluteten das Kirchenrund, der wunderschöne Sopran der Solistin, begleitet vom exzellenten Chor, eindringlich die musikalische Spannkraft, die die Besucher fast atemlos machte. Der Grund für die an wenigen Stellen schärferen Dissonanzen offenbarte sich beim Lesen des aus dem lateinischen übersetzten Textes. Es war ein Hochgenuss, dieses Requiem, das auf Texten der katholischen Liturgie beruht, so meisterhaft dirigiert, auf der Orgel gespielt und gesungen zu erleben. Die Zuhörer empfingen die Musiker, die für eine Zugabe von der Orgel ins Kirchenschiff kamen, mit stehenden Ovationen. „Ubi caritas“, da wo die Liebe wohnt, da ist Gott, mit diesem wunderschönen Lied verabschiedeten die Mitwirkenden ihre begeisterten Zuhörer.


Nach der Aufführung gab es verdienten Applaus: Das Foto zeigt links
Organist Jorin Sandau, in der Mitte Dirigent Peter Scholl, rechts Solistin
Joana Skuppin und im Hintergrund die Chormitglieder. Foto: gum