Rheinzeitung vom 3. März 2015

Gesang, der bis ins Tiefste der Seele dringt

Junger Kammerchor Siegen unter Leitung von Peter Scholl begeistert in Herdorf

Von unserer Mitarbeiterin Eva-Maria Stettner.

Herdorf. Die ausgelegten Programme in der katholischen St.-Aloisius-Kirche reichten einfach nicht aus. In Scharen waren die Besucher am Sonntag nach Herdorf gekommen, um den Jungen Kammerchor Siegen unter Leitung von Peter Scholl aus Frankfurt zu erleben, der in seiner alten Heimat das Requiem von Maurice Duruflé zur Aufführung bringen wollte.

Am Abend zuvor hatte Scholl das Werk mit dem von ihm gegründeten Chor in Frankfurt aufgeführt, wo er Leiter der Kantorei St. Jakob ist. "Das war ein toller Erfolg", verriet Torsten Stendenbach den Besuchern hier bei der Begrüßung. Er fühlt sich geehrt, in dem Chor mitzusingen: "Es macht Spaß, als Kirchenmusiker in den Reihen dieses tollen Chores mitzuwirken."

Peter Scholl brachte auch noch zwei fantastische Künstler mit: Mezzosopranistin Joana Skuppin (1990 in Ulm geboren), die schon bei einigen Opernproduktionen mitwirkte, und den Orgelvirtuosen Jorin Sandau (Jahrgang 1983), Regionalkantor der Dekanate Darmstadt, Dieburg und Erbach. Peter Scholl, 1984 in Siegen geboren, begann 2004 in Frankfurt mit dem Studium der A-Kirchenmusik, schloss die Fächer Chorleitung und Klavier mit Auszeichnung ab und studiert seit 2011 Orchesterleitung. Als Organist, Pianist und Dirigent hat er schon mit zahlreichen Ensembles zusammengearbeitet. Er ist auch Leiter des Oberhessischen Vokalensembles, als Dozent des Bistums Limburg und an den Musikhochschulen in Mainz und Frankfurt tätig, doch er engagiert sich nach wie vor auch in der Heimat.

Der Junge Kammerchor Siegen wurde 2010 von ihm gegründet. "Heute tritt er in dezimierter Stärke auf, da von den 30 Leuten acht krank abgesagt haben, aber davon lassen wir uns nicht beirren", sagte Scholl. Im Zentrum des Konzerts, das von der Orgelempore aus aufgeführt wurde, stand das Requiem von Maurice Duruflé (1902-1986). Aber es waren auch sieben Orgelwerke von Johann Sebastian Bach (1685-1750) integriert, die in inhaltlichen Beziehungen dazu standen. Sandau eröffnete das Konzert mit Bach, der Sonatina aus dem Actus Tragicus, einem Stück von großer Intensität und Tiefe.

Das Requiem in in der katholischen Liturgie die Messe für die Verstorbenen, in denen die Lebenden für das Seelenheil der Toten bitten. Duruflé hat drei Fassungen geschrieben, die erste 1947 für großes Orchester. Die hier aufgeführte für Mezzosopran, Chor und Orgel (1948 verfasst) ist für Organisten am anspruchsvollsten, da die Orgel den Orchesterpart übernehmen muss. Das meisterte Sandau hervorragend, wobei ihm die farbige registerreiche Orgel in Herdorf entgegenkam.

Besonderheit bei Duruflés Requiem ist, dass er nach Gabriel Faurés Vorbild auf die Sequenz "Dies Irae" (Tag des Zorns) verzichtet, die markerschütternd das Jüngste Gericht vor Augen führt und Angst machend ist. Er wollte Trost und Zuversicht spenden, hat dafür "Libera me" (Rette mich) und "In paradisum" aus der kirchlichen Begräbnisfeier in sein Werk aufgenommen, das vorwiegend einen tröstend-kontemplativen Grundton hat. Musikalische Grundlage sind gregorianische Choräle, die mit reicher farbiger Harmonik eingekleidet werden. Die Sängerinnen und Sänger des Jungen Kammerchores beeindruckten mit exzellentem Einfühlungsvermögen. Bei ihren ausgefeilten, ergreifenden Gesängen vermittelte sich der Inhalt der Texte bis ins Tiefste der Seele.

Überwiegend ruhig und introvertiert, nahmen sich die Höhepunkte in Dynamik und Tonlage umso einschneidender aus. Der Anruf Kyrie, der zuerst fugiert erfolgte, erklang beim zweiten Mal mit eruptiver Dringlichkeit. Die innige Bitte "Pie Jesu" gestaltete die Mezzosopranistin mit feinem Tremolo zu Herzen gehend. Im "Libera me" stiegen die Stimmen bis in extreme Höhen. Ätherisch muteten die Orgelklänge im "Paradisum" an, die Soprane transparent schwebend. Stehenden Applaus zollen die Zuhörer für diese wunderbaren Darbietungen. Die Aufführenden gaben gern noch eine Zugabe im Altarraum mit der Hymne "Ubi caritas".