Darmstädter Echo vom 16. Februar 2016

Orgelwinter

Der Chor "Accentus vocalis" beweist Klasse in Darmstadts Runder Kirche

Von Susanne Döring

Darmstadt. Hingabe und Liebe, aber auch Leiden waren die Themen des Konzerts am Samstag in der Darmstädter Kirche St. Ludwig. Der Kammerchor "Accentus vocalis" aus Siegen und Kantor Jorin Sandau beleuchteten den Passionsgedanken mit Musik aus mehreren Jahrhunderten.

Eine Synthese aus dem Beginn der Passionszeit und dem Valentinstag bot das letzte Konzert des ökumenischen Orgelwinters in der Darmstädter Ludwigskirche. Regionalkanteor Jorin Sandau an der Orgel und der Kammerchor "Accentus vocalis" unter der Leitung von Peter Scholl präsentierten unter dem Motto "Hingabe" ein Programm, das auf den christlichen Ursprung dieses Tags der Liebenden verwies: Katholiken gedenken am 14. Februar der Bischöfe Valentin von Rom und Valentin von Terni, die aufgrund ihres Glaubens im 3. Jahrhundert enthauptet wurden, wobei nicht sicher ist, ob es sich hier um dieselbe Person gehandelt hat.

Getragen und ernst gestaltete sich das Programm mit Musik der Renaissance, des Barock und zeitgenössischen Werken. Besonders bei den sehr frühen Stücken von Allegri oder Palestrina, aber auch bei den Kompositionen des 20. und 21. Jahrhunderts erwies sich die schwierige Akustik der Ludwigskirche dieses Mal als vorteilhaft. Schloss der Zuhörer die Augen, konnte er sich in eine klangdurchflutete gotische Kirche versetzt fühlen. Dem kam entgegen, dass Peter Scholl mit der Akustik spielte: Er ließ seine zwanzig Sänger mal aus dem hinteren Altarraum, mal im Vordergrund in klassischer und durchmischter Aufstellung, aber auch über die ganze Kirche verteilt auftreten.

Die Verteilung an den Seiten der Sitzbänke muss ein Chor aber auch bewältigen, denn die Sänger stehen weit auseinander und sind auf sich allein gestellt. Kein Problem für den a cappella singenden "Accentus vocalis", der in Bob Chilcotts Stück "God so loved the world" von 1999 den Klang intensiv zusammenhielt. Die hervorragende Qualität der Sänger war schon beim ersten Werk des Abends zu erleben, als im "Miserere" von Gregorio Allegri vier von ihnen Soli übernahmen. Himmlisch enthoben schwebte hier vor allem der Sopran über den übrigen Stimmen. Bemerkenswert ist auch das dynamische Vermögen des Chores, der unter Peter Scholls präzisem Dirigat zum Beispiel in John Taveners "The Lamb" schöne und sehr leise Töne entwickelte. Vorsichtig und treffsicher tastete man sich in die zum Teil schwierigen Harmonien.

Zur Thematik passende Werke von Froberger, Frescobaldi, Marcel Dupré oder auch Max Reger und Bach intonierte Jorin Sandau auf der großen Orgel. Er setze dabei auf weiche Register und vermochte besonders in Regers Präludium und Fuge h-Moll großartige Spannungsbögen zu setzen. Mit Charles Villiers Stanfords "O for a closer walk with God" setzen Chor und Orgel einen harmonisierenden Schlusspunkt, dem mit Ola Gjeilos "Ubi caritas" noch eine Zugabe folgte.