Siegener Zeitung, 16. Februar 2016

Musik aus vier Jahrhunderten

Chor- und Orgelkonzert beeindruckte in der kath. Pfarrkirche in Kirchen

gum Kirchen. Ein beeindruckendes Orgel- und Chor-Konzert gab accentus vocalis (Junger Kammerchor Siegen) gemeinsam mit dem Organisten und Regionalkantor Jorin Sandau am späten Sonntagnachmittag in der kath. Pfarrkirche St. Michael in Kirchen. Die musikalische Leitung hatte der Organist, Pianist und Dirigent Peter Scholl aus Siegen.

Das Konzert zur musikalischen Einführung in die Fastenzeit setzte sich intensiv mit dem Thema „Hingabe“ auseinander. Es erklang die Toccata in g-Moll von Jakob Froberger, in der der Komponist, wie in allen seinen Toccaten, Stylus-Phantasticus-Abschnitte, die von improvisatorischem Gestus sind, mit fugierten Teilen im gebundenen Stil abwechselte. Unter den Händen des Organisten Jorin Sandau konnte sich die Königin der Instrumente in mächtigen Tönen entfalten.

Der Kammerchor eröffnete tongewaltig sein Programm mit der neunstimmigen berühmten Vertonung des 51. Psalms „Miserere“ von Gregorio Allegri aus dem 17. Jahrhundert, die in ihrer Eindringlichkeit faszinierte. Das war für viele der Zuhörer sicherlich das anspruchsvollste und beeindruckendste Werk des Abends. Durch die jungen Sopranstimmen ertönten die hohen Stellen prägnant und schnei- dend scharf.

Werke von Palestrina, Reger, Bach, Barber und anderen sorgten für eine ins- gesamt großartige Leistung aller Mitwirkenden. Dabei wurden die Stimmen bei diesen selten zu hörenden Kompositionen ganz sicher stark strapaziert. Das faszinie- rende Choralwerk „The Lamb“ von John Tavener war eine Herausforderung an alle Interpreten einschließlich des Dirigenten.

Die Zuhörer in der gut besuchten Kirche erlebten mit der geistlichen Chormusik aus vier Jahrhunderten ein kurzweiliges Konzert. Nicht nur die Akustik des Gotteshauses, sondern die beeindruckenden Stimmen faszinierten derart, dass es schon mal schwerfiel, dem Wunsch des Dirigenten, zwischen den einzelnen Titeln nicht zu applaudieren, nachzukommen. Ein wunderbarer Klangteppich mit einer kaum zu überbietenden Homogenität umschwebte die Besucher bei „God So Loved The World“ von Bob Chilcott. Die Mitglieder des Kammerchores hatten sich in den Seitenschiffen verteilt, und Peter Scholl dirigierte im Mittelgang.

Das Konzert endete mit der Vertonung eines Textes aus dem 18. Jahrhundert, mit der Bitte um Erneuerung und Umkehr, „O For A Closer Walk With God“, von Charles Villiers Stanford. Chor und Orgel erreichten ein gemeinsames beeindruckendes Forte. Herzlicher Beifall am Ende des anderthalbstündigen Konzerts dankte allen Mitwirkenden für die Freude, die sie an diesem Abend geschenkt hatten. Die Musi- ker wiederum bedankten sich bei ihrem Publikum mit einer Zugabe, dem mittelalterlichen „Ubi caritas et amor“.