Hinterländer Anzeiger - 23. Oktober 2017
Von Sascha Valentin

„Davon ich singen und sagen will“

KONZERT „accentus vocalis“ und Helge Heynold erschaffen Klangcollage zur Reformation

BIEDENKOPF-WALLAU Um das Werk Martin Luthers drehte sich das besondere Konzert „Davon ich singen und sagen will“, das der Kammerchor „accentus vocalis“ in der evangelischen Kirche in Wallau gegeben hat.

Die Idee des Programms war so einfach wie wirkungsvoll: Lieder, deren Texte zum Teil aus der Feder Martin Luthers stammen, wechselten mit Lesungen aus den Schriften des Reformators ab. Neben dem Kammerchor war dabei Helge Heynold zu hören. Der professionelle Sprecher, der auch fürs Radio arbeitet, verstand es, dem Publikum die Texte Luthers akzentuiert zu vermitteln. So zitierte Heynold aus den Tischreden Luthers, aus diversen Briefen, beispielsweise an den Erzbischof Albrecht von Mainz.

Texte aus der Feder Martin Luthers, aber auch Lieder machen deutlich, worum es dem Reformator ging

Oder er gab Martin Luthers Gedanken „über die Musik der großen
Niederländer“ wieder.

Eine besondere Wirkung erzielte Heynold mit der Verteidigungsrede, die Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms gehalten hat. Denn diese Rede bringt Luthers Gedanken zur Reformation der Kirche auf den Punkt und zeigt, wofür Luther zu seiner Zeit kämpfte.

Ebenso überzeugend wie die ausgesuchten Texte waren die Lieder, die der Kammerchor vortrug. Die Sängerinnen und Sänger von „accentus vocalis“ kommen aus dem Raum zwischen Siegen, Frankfurt und Würzburg und boten in der Wallauer Kirche eine meisterliche Leistung.

Luthers wohl bekanntestes Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ durfte dabei ebenso wenig fehlen wie sein „Vater unser im Himmelreich“, das Johann Sebastian Bach vertont hat, oder auch verschiedene Psalmen.

Neben Kompositionen alter Meister, die Luthers Texten ein klangvolles Gewand gaben, sang der Chor auch moderne Werke. Auf dem Programm standen mehrere Stücke, die der 1987 geborene Komponist Jonathan Granzow speziell für dieses Programm geschrieben hat. Dazu gehörte die Vertonung des Psalms 92, der Luthers Gedanken beim Übersetzen der Bibel wiedergibt, aber auch das geniale Eingangsstück, das dem Programm seinen Namen gab.

Dazu stellten sich die Sängerinnen und Sänger an verschiedenen Plätzen in der Kirche auf, trugen verschiedene Lieder und Bibelstellen vor und vermittelten dem Publikum dabei den Eindruck, als befände es sich auf einem mit vielen Menschen gefüllten Marktplatz, auf dem ein Gewirr an Stimmen auf sie einprasselt. Ein akustischer Effekt, der dem gelungenen Konzert die Krone aufsetzte.