Rheinzeitung vom 25. Juni 2012

„Elisabeth” will im Herbst in Herdorf glänzen

 Musical Mehr als 100 Teilnehmer - Vorverkauf für Veranstaltungen im Hüttenhaus läuft

Von unserer Mitarbeiterin Eva-Maria Stettner

 

Herdorf. Zu Beginn des Kulturherbstes Herdorf kommt dieses Jahr erstmals eine Eigenproduktion der Stadt Herdorf, des Kulturrings und der Kulturfreunde auf die Hüttenhausbühne: „Elisabeth - Legende einer Heiligen", das Erfolgsmusical von Dennis Martin und Peter Scholz, wird am 29. und 30. September von mehr als 100 heimischen Mitwirkenden unter der Gesamtleitung von Peter Scholl aufgeführt. Als Regisseurin wurde die finnische Musikdozentin Anni Komppa aus Frankfurt gewonnen. Mitreißende Musik mit eingängigen Melodien, teils selbst gestaltete Kostüme, eigene Bühnenbilder und eine beeindruckende Geschichte machen des semiprofessionelle Projekt zu einem Erlebnis, das es in dieser Form in Herdorf noch nicht gegeben hat. „Wir sind stolz, dieses Projekt unterstützen zu dürfen und begeistert vom Engagement der jungen Leute", sagt Emi Schlosser, künstlerischer Leiter der Kulturfreunde, am Samstag beim Probenstart im Hüttenhaus. Dort arbeiten die Akteure - Jugendchor „aCHORd" Herdorf, Jugendchor „Cantanima" Wilns-orf, Projektorchester, Band und Solisten - nach separater Vorbereitungsphase nun mehrmals wöchentlich und an Wochenenden auch gemeinsam. Für Peter Scholl ist es nicht des erste, doch sein bislang groBtes Projekt. Der 28-jahrige gebürtige Siegener, der seit sieben Jahren die „Herdorfer Singewoche" durchführt, ist in der Region durch Orgelspiel und Konzerttätigkeit bekannt. Als Stipendiat der Deutschen Studienstiftung hat er 2004 in Frankfurt das Studium der A-Kirchenmusik aufgenommen und 2010 der Orchesterleitung. Er leitet das Sinfonieorchester Ingelheim, die Kantorei in Frankfurt-Bockenheim und hat am Theater Kaiserslautern Erfahrungen als Co-Repetitor gesammelt. Die Aufführungsrechte fürs Musical bekam er problemlos. „Angestiftet" haben ihn zwei seiner jetzigen Hauptdarstellerinnen: Conny Sander (20, Neunkirchen) und Kristin Knautz (23, Herdort). Sie haben das 2007 uraufgeführte Musical - dem Jahr von Elisabeths 800. Geburtstag - am Originalschauplatz in Eisenach erlebt und waren sofort entflammt. Knautz beschreibt es so: „Wundervolle Musik, sehr facettenreich mit melodiösen Ohrwürmern, düsteren Stücken und schönen Balladen, tiefgründige Texte und starke Ensemble-Nummern." Elisabeth ist eine sehr groBe Rolle und wird dreigeteilt: Antonia Reinhardt (10) von den Sunshine-Kids Biersdorf spielt Elisabeth als Kind, Sander sie im ersten und Knautz im zweiten Akt - ihre ausdrucksvollen Sopranstimmen sind schon vom Duo Voice Vision her bekannt.

 

Die Legende einer Heiligen als Musical in zwei Akten

„Elisabeth - Die Legende einer Heiligen" ist ein Musical in zwei Akten. Die Rahmenhandlung ist eine kritische Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Perspektiven, die von der heiligen Elisabeth von Thüringen (1207-1231) überliefert wurden. Dies wird im Stück durch die Erzähler Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide dargestellt, die in einem Sängerstreit liegen, wie Elisabeths Geschichte erzählt werden soll. Die ungarische Königstochter Elisabeth kommt (1. Akt) schon mit vier Jahren an den Hof des Landgrafen Hermann von Thüringen, da sie seinem Sohn als Gemahlin versprochen ist. Nach dem Tod des Vaters heiratet Thronfolger Ludwig die14-Jährige aus ehrlicher Zuneigung. Während Elisabeth zwei Kindern das Leben schenkt, wendet sie sich immer mehr christlichen Werten und religiosen Ritualen zu. Sie widersetzt sich den Erwartungen ihres Standes, kämpft in haltloser Zeit mit Hungersnöten und Kreuzzügen für bessere Lebensbedingungen der Ärmsten, stößt damit bei Ludwigs Bruder Heinrich und dem Hofstaat auf Ablehnung, findet in ihrem Ehemann aber volle Unterstützung. Doch dann (2. Akt) zieht Ludwig auf Kreuzzug und stirbt. In Thüringen, wo Elisabeth die Kornkammern der Burg geöffnet hat, um dos Volk vor dem Hungerstod zu retten, übernimmt Heinrich die Regierung und verbannt sie. Mit ihrem fanatischen Seelsorger Konrad geht sie nach Marburg und finanziert mit ihrem Besitztum ein Siechenhaus. Ihre erst nach Ludwigs Tod geborene Tochter gibt sie auf Konrads Anraten in ein Kloster, um sich ganz den Armen zu widmen. Zu spät erkennt sie dessen Machtgelüste, die mit ihren hohen Zielen wenig gemein haben, erleidet einen Zusammenbruch und stirbt mit 24 Jahren mittellos. Konrad treibt Elisabeths Heiligsprechung schnell voran, wird vom Papst zum ersten deutschen Großinquisitor ernannt, doch nach vielen Hinrichtungen wahnsinnig und später ermordet. Elisabeths selbstloses, aufopferndes Wirken aber bleibt für immer im Gedächtnis des Volkes. Die Heilige der katholischen Kirche wird auch von den Protestanten als Sinnbild der Nächstenliebe verehrt. est

  

Sander hat zudem beim Siegener Musicalverein Limited Edition mitgewirkt, sehr viele Workshops auf Musikakademien besucht und beginnt im Herbst eine Musical-Ausbildung in Osnabruck. Bei „Elisabeth" zeichnet sie auch für Choreografie und Einstudieren der Tanze veräntwortlich. Knautz kennt man auch von Auftritten mit Duo-Partner Peter Scholl. Sie studiert in Siegen Lehramt für Gymnasium mit Musik und Gesang als Hauptfach. Die angehende Musikpädagogin hat sich in Chorleitung weitergebildet, war bei Musical!Kultur Daaden Chorleiterin für die Gala und leitet den Frauenchor des MGV Biersdorf, wo sie jüngst erfolgreich das Frauenchorprojekt „Filmmusik ab!" stemmte. Bei der Rolle der Elisabeth fanden Sander und Knautz am schwierigsten, sich ins mittelalterliche Denken hineinzuversetzen. Sieben weitere Hauptrollen haben: Erik Aepfelbach (19, Steinebach) als Landgraf Ludwig - er spielt seit sechs Jahren Hauptrollen bei Mu-sical!Kultur Daaden und hat im Meisterchor MGV Eintracht Steinebach gesungen; Alexander Keidl (Frankfurt) als Konrad von Marburg, Elisabeths fanatischen Beichtvater; Nina Ruchartz als Landgrafin Sophie, Elisabeths Schwiegermutter; und Heike Zerfowsky als Elisabeths Zofe Guda (beide studierten Gesang in Sie-gen); Andres Garcia-Diaz als Heinrich, Ludwigs intriganten Bruder - der 20-Jahrige spielt in Siegen bei vielen Theaterprojekten in der BlueBox und beim Projekt Park-theater; Tobias Levening (Lehramts-Student in Siegen) und Manuel Stötzel aus Geisweid (auch im Jugendchor Wilnsdorf aktiv) sind als Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide die Erzähler der Geschichte, die im Sängerstreit liegen. Dos Projektorchester in Bandbesetzung besteht aus 23 Musikern vorwiegend heimischer Orchester mit Johannes Nies am E-Piano (preisgekrönter Herdorfer mit Konzerttätigkeit im In- und Ausland). Die Jugendchöre bieten 40 Sänger auf. Mütter übernehmen bei den Proben das Catering und haben einen Tell der Kostilme genäht. Eltem kümmern sich um Requisiten und den Bühnenbau.

Der Vorverkauf läuft. Eintrittskarten (15 Euro, ermäßigt 8 Euro) gibt es bei: Stadtverwaltung Herdorf & Kreis der Kulturfreunde. Die Aufführungen (29. September um 20 Uhr, 30. September um 17 Uhr) sind such Teil des Abos des Kulturrings. Infos: www.kulturring-herdorf.de